Das laufende Jahr hat uns eine Fülle an neuen napoleonischen
Regeln gebracht. Mehrere sind auch für die nächste Zeit angekündigt. Sie sind
sicher alle auch eine Reaktion auf den Boom der neuen 28mm Figuren, insbesondere
der Plastik-Figuren der Perrys und von Victrix. Da man diese ganzen Regeln ja
kaum kaufen kann, möchte ich hier mal Informationen sammeln, die einem so im
Netz und durch andere Spieler zu den Regeln zu gekommen sind. Ignorieren würde
ich gerne taktische Regeln wie General de Brigade oder Principles of War, die
m.E. wirklich nur richtig mit 15mm funktionieren. Wir können aber gerne die
folgende Liste auch noch durch die „alten“ Regeln Shako und Piquet Field of
Battles ergänzen, die ebenfalls für 28mm gehen. Alle diese neuen Regeln zeichnen
sich durch viele schöne Figurenbilder aus.
Was ist neu und hat welche Besonderheiten:
Napoleon (von Foundry):
Hat ein Kartensystem für Einheiten, die sich direkt
bedrohen. Diese müssen verdeckt einen Befehl bekommen, der dann mit einem
Kommandowurf umgesetzt wird. Ich weiß also z.B. nicht, wie die gegnerische
Einheit reagiert auf meinen Angriff. Mir persönlich kamen die
Bewegungsreichweiten im Verhältnis zu den Schussreichweiten zu gering vor, was
dann möglicherweise zu einem statischen Schuss-Spiel führt.
Black Powder von Rick Priestley:
Hard Cover Buch mit zahlreichen schönen Bildern (insbesondere die Spieltische udn Figuren der Perry-Brüder). M.E. von den Abbildungen nicht ganz so toll, wie R2E aber doch schon sehr ansprechend.
Die Regeln decken den Zeitraum von 1700-1900 ab und enthalten am Ende je einen unfangreichen Schlachtbericht zu AWI, Nap, Karlisten-Krieg, Krim-Krieg, Buren-Krieg und Suda-Krieg. Es gibt ein minimalistisches Punktesystem und die Regeln sollen verschiedene Basierungen (auch gegeneinander) ermöglichen.
Kern der Regeln ist ein Warmaster-ähnliches Kommando-System. Allerdings gibt es nur einen Wurf, der dann entscheidet, ob eine Einheit keine, 1, 2 oder 3 Bewegungen hat. Damit können theoretisch sehr große Reichweiten entstehen (12" Reichweite für Infanterie mal 3!). Der Clou ist jedoch, dass man vor dem Wurf einen Befehl geben muss und nur das macht die Einheit dann auch. Bewegung und Kampf sowie Verluste (mit Markern) ist wunderbar unproblematisch und simpel.
Republique
to Empire von Barry Hilton:
Paperback, 144 S.
Gleich mal vorweg: Ob man die Regeln mag oder nicht, das Buch ist wirklich Wargamer-Porno. Es erwartet einen eine Fülle von Foundry, Perry, Victrix, AB 15mm, Calpe und Front Rank Bildern, die einen ungeheuer motivieren und Spaß beim Anschauen machen. Alleine für die Bilder lohnt es sich, die Regeln zu kaufen.
Bei den Regeln fällt vor allem auf, dass sie sehr ausführlich sind. Jeder Aspekt napoleonischer Kriegsführung (z.B. Plänkler, Pioniere, Milizen etc.) weren in eigenen Regeln berücksichtigt. Das gibt erstmal einen etwas erschlagenden Eindruck. So finden sich alleine für alle Spielgrößen eigene Regeln: 1 gegen 1 mit Divisionen, 1 gegen 1 mit Corps, bis zu x gegen x mit Armeen aus mehreren Corps.
Das Grundprinzip beruht auf einen Kommando-Punkte System je nach Qualität der Generäle. Damit werden ganze Brigaden kommandiert, indem Befehle bzw. der Wechsel von Befehlen bezahlt wird. Zusätzlich können die Kommando-Punkte auch für einzelne Einheiten, die abweichend handeln sollen, benutzt werden. Ein wichtiges Prinzip ist dabei Exploitation, d.h. zusätzliche Punkte können verwendet werden, um Einheiten mehrfache Bewegungen zu geben, so dass sie etwa schnell aus der Reserve vorrücken können etc. Die Bewegungsreichweiten wirken erstmal etwas gering, werden aber wohl durch dieses Prinzip erhöht.
Kampf und Beschuss wirkt sehr umfangreich mit einigen Tabellen. Wie es in der Anwendung funktioniert, kann ich vom Lesen leider nicht sagen. Insgesamt aber ein eher klassisches System mit vielen Modifikatoren.
Decebalus
Lasalle von Sam Mustafa:
Da Lasalle inzwischen auch als günstiges PDF erschienen ist, habe ich die Regeln inzwischen auch gelesen. Es sind sicher die klarsten, eindeutigsten und verständlichst geschriebenen Regeln hier. Die Zugreihenfolge wirkt ungewohnt, da man mit einer Reaktionsphase (etwa auf Angriffe des Gegners) beginnt, das ist aber letztlich auch nichts anderes, als was nadere Regeln machen. Tatsächlich wirken die Lasalle Regeln auf mich sehr konventionell - geradlinig, funktional, aber doch ziemlich normal. Es gibt kaum ein Kommando-System (Gerade im Vergleich mit den anderen hier vorgestellten Regeln).
Lasalle ist zwar auch für Szenarien geeignet (wie alle Regeln), bietet aber vor allem auch die Möglichkeit für Pick-up Spiele. Es gibt zwar kein Punktesystem, aber dafür vorgegebene Armeelisten, die man dann mit Ergänzungstruppen auffrischen kann. Ich kann also eine österreichische Avantgarde-Division spielen und mit einer Kürassier-Brigade erweitern. Dann kann man Gelände und Szenario auswürfeln und direkt gegeneinander spielen. Das ganze erinnert etwas an FOW, ist aber sicher ein praktischer Ansatz.
Wer noch mehr weiß, bitte melden.
Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Decebalus« (Gestern, 13:07)